graubünden Skitour Netzwerk-Treffen

Wie verändert sich der Skitourensport? Welche Herausforderungen bringt diese Entwicklung mit sich? Und wie können wir in Graubünden gemeinsam darauf reagieren? Diesen Fragen widmete sich das Netzwerk-Treffen von graubünden Skitour am 24. September 2026 in der Werkstatt Chur. Rund 40 Vertreterinnen und Vertreter aus Tourismus, Sport, Bergbahnen, Naturschutz und weiteren Bereichen kamen zusammen, um unterschiedliche Perspektiven einzubringen, Erfahrungen auszutauschen und gemeinsam weiterzudenken. Im Zentrum stand die Frage: Wie gehen wir mit dem wachsenden Skitourensport um? Der Nachmittag folgte dabei dem Leitgedanken «verstehen – lernen – handeln». Drei Fachinputs lieferten unterschiedliche Perspektiven und Denkanstösse, die anschliessend im persönlichen Austausch und in der gemeinsamen Diskussion aufgenommen und auf die Situation in Graubünden übertragen wurden.

Verstehen: Der Skitourensport verändert sich

Zum Auftakt ordnete Lukas Dürr vom WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF die Entwicklung des Skitourensports aus Sicht von Forschung und Praxis ein. Eine exakte Erfassung der Entwicklung ist schwierig, verschiedene Indikatoren weisen jedoch auf eine deutliche Zunahme der Personen hin, die Ski- und Snowboardtouren unternehmen. Mit dieser Entwicklung verändern sich auch die Herausforderungen. Neue Nutzergruppen sind teilweise individuell unterwegs, ohne Vereinszugehörigkeit oder formale Ausbildung und mit unterschiedlichen Informationsquellen. Gleichzeitig kann eine hohe Frequentierung beliebter Touren ein Gefühl falscher Sicherheit erzeugen. Eine zentrale Frage lautet deshalb: Wie erreichen wir unterschiedliche Nutzergruppen mit den richtigen Informationen und Angeboten?

Lernen: Sensibilisierung und gemeinsame Lösungen

Wie Sensibilisierung funktionieren kann, zeigte Reto Solér vom Verein Natur & Freizeit am Beispiel der Kampagne «Schneesport mit Rücksicht». Dabei wurde deutlich: Wissen allein führt nicht automatisch zu verändertem Verhalten. Erfolgreiche Sensibilisierung braucht zielgruppengerechte Botschaften, geeignete Multiplikatoren und Informationen dort, wo die Menschen ohnehin erreicht werden – von der Planung über die Anreise und Ausrüstung bis ins Gelände. Eine weitere Perspektive brachte Romano Pajarola von Seilbahnen Schweiz ein. Mit der zunehmenden Nutzung von Pisten und Skigebieten durch Skitourengehende entstehen neue Fragen rund um Sicherheit, Infrastruktur, Nutzung und Verantwortlichkeiten. Unterschiedliche Erwartungen von Skitourengehenden, anderen Schneesportgästen und Seilbahnunternehmen können zu Spannungsfeldern führen. Lösungsansätze reichen von klar signalisierten Aufstiegsrouten und definierten Zeitfenstern bis zu besserer Kommunikation und gemeinsam entwickelten Modellen.

Austausch als zentraler Bestandteil

Mindestens genauso wichtig wie die Fachinputs war der Austausch dazwischen und danach. Das Netzwerk-Treffen brachte bewusst Akteurinnen und Akteure mit unterschiedlichen Hintergründen und Interessen zusammen. In den Gesprächen konnten Erfahrungen geteilt, unterschiedliche Sichtweisen diskutiert und neue Kontakte geknüpft werden. Genau darin liegt ein wichtiges Ziel des Netzwerk-Treffens von graubünden Skitour: nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern Menschen und Organisationen miteinander ins Gespräch zu bringen, die den Skitourensport in Graubünden mitgestalten.

Handeln: Was bedeutet das für Graubünden?

Zum Abschluss wurden die verschiedenen Perspektiven in einer gemeinsamen Podiumsdiskussion zusammengeführt. Der Blick richtete sich nun konkret auf Graubünden: Was bedeutet das alles für Graubünden und wie gehen wir konkret damit um? Die Diskussion zeigte unter anderem Potenzial für mehr Struktur und gezielte Lenkung an stark frequentierten Orten, für attraktive Angebote und passende Infrastruktur sowie für eine gemeinsame Entwicklung der Regionen mit den beteiligten Leistungsträgern. Gleichzeitig wurde deutlich, dass es nicht die eine Lösung für den gesamten Kanton geben wird. Die Herausforderungen unterscheiden sich je nach Region, Ausgangslage und Anspruchsgruppe.

Ein gemeinsamer Nenner zog sich jedoch durch den ganzen Nachmittag: miteinander reden, Erwartungen und Ansprüche abgleichen und auch bei unterschiedlichen Interessen ein gemeinsames Verständnis entwickeln. Genau hier setzt graubünden Skitour an. Das Projekt schafft eine Plattform, auf der unterschiedliche Akteurinnen und Akteure zusammenkommen, Wissen teilen und gemeinsam Lösungen für die zukünftige Entwicklung des Skitourensports erarbeiten können. Denn graubünden Skitour ist mehr als Spuren im Schnee.

Zur Präsentation des Events

Bilder: Maximilian Gierls Photopraphy